Schüler der achten Klassen der Realschule Plus haben sich mit dem Thema Gewalt beschäftigt. Durch das Training soll Eskalationen vorgebeugt werden.

Gewalt erkennen, Gewalt benennen: Schüler der achten Klassen der Realschule Plus Prüm beschäftigen sich kritisch mit der Gewaltthematik und setzen sich mit Handlungsalternativen bei auftretenden Konflikten auseinander. Durch das von Projektleiter Hubert Lenz, Beauftragter für Jugendsachen der Polizeidirektion Wittlich, Nicole Kammers (Polizeiinspektion Prüm) und Silke Halfen (Caritasverband Westeifel e.V.), Schulsozialarbeiterin der Realschule Plus, angeleitete Projekt sollen die Schüler lernen, gewaltfreie Strategien bei auftretenden Konflikten zu bevorzugen und erkennen, dass Nichtstun keine Lösung darstellt.
Zunächst beschäftigen sich die Schüler mit dem Begriff „Gewalt“. Was ist Gewalt? Wo begegnet uns Gewalt? Wie stehe ich selbst zu Gewalt? Wie gehe ich damit um? Und noch wichtiger: Was kann ich tun, um Konflikte nicht noch anzuheizen oder zum Eskalieren zu bringen?
Der Ablauf des Gewaltpräventionsprojektes erfolgt in ausgewogener Form zwischen Übungen, theoretischen Reflexionen und Rollenspielen. Eine Übung nennt sich „Kein Kontakt“. Die Schüler sitzen in Gruppen zusammen. Patrick, Kevin und Lena sollen Kontakt aufnehmen. Sie versuchen, sich in die Gruppen zu integrieren. Die Gruppen haben zuvor die Aufgabe bekommen, die vier „voll abblitzen“ zu lassen. Nach einigen Minuten ist die Übung vorbei. In einer zweiten Runde werden die Schüler in den Gruppen herzlich willkommen geheißen. Anschließend werden die Gefühle der „Ausgegrenzten“, der „Willkommenen“ und der Gruppenmitglieder diskutiert. „Das war eine voll harte Situation“, sagt Lena. „Ich habe mich total ausgeschlossen gefühlt“, beschreibt Patrick die Situation. Die meisten Schüler kennen das Gefühl, irgendwo neu zu sein. Viele haben bereits erfahren müssen, was es bedeutet, nicht integriert zu sein. Ob im Kindergarten, in der Schule oder im Freizeitbereich.
„Es gibt kaum eine Schulklasse, in der es keine Außenseiter gibt. Solche Rollenspielübungen dienen der Sensibilisierung und sollen dazu anregen, das eigene Verhalten zu überdenken und zu überprüfen, wie man sich selbst „Neulingen“ gegenüber verhält“, sagt Silke Halfen.
Eine andere Übung thematisiert, wie man mit Gewaltbedrohung umgehen kann. Die Schulklasse wird von mehreren Jugendlichen mit Baseballschlägern und Schlagringen bedroht. Wie reagiert man am besten? „Wir sind doch in der Überzahl, wir wehren uns“, sagt Stefan. Schnell wird aber deutlich, dass andere Vorschläge wie „reden“, „weglaufen“, „Polizei anrufen“, „andere Passanten ansprechen“ und „Täterprofil merken für die Zeugenaussagen“ die besseren, gewaltfreien Strategien sind.
Vorbereitet, begleitet und nachbereitet wird das Projekt von Schulsozialarbeiterin Silke Halfen (Caritasverband Westeifel e.V.) und den jeweiligen Klassenlehrern. Bereits im neunten Jahr arbeitet die Realschule Plus mit Hubert Lenz zusammen.
Die vielen positiven Rückmeldungen von Schülern und Klassenlehrern bestätigen immer wieder, wie wichtig Präventionsangebote dieser Art sind. Klassenlehrer und Schulsozialarbeiterin berichten von einem sensibleren und faireren Umgang der Schüler miteinander im Anschluss an das Projekt. Gewaltpräventionstage bleiben in der Realschule Plus Prüm keine „eintägigen Projekte“, sondern es wird im Laufe des Schuljahres gezielt mit den gewonnenen Erkenntnissen in den Klassen weitergearbeitet. Die Präventionsarbeit und vor allem die „Konfrontative Pädagogik“ werden in Zukunft fester Bestandteil des Schulqualitätsprogramms sein.